|
Eine Frage der Schwere
von Philipp Furtwängler, Teil 2
|
 |
|
Etwas anders verhält es sich mit dem Weißwein von Chateau Carbonnieux. Denn dieser mittelschwere Grand Cru Classé benötigt mindestens drei bis fünf Jahre zum Ausbau und ist normalerweise trotzdem relativ preisgünstig. Zumindest im Vergleich mit solchen Nachbarn wie etwa der Domaine De Chevalier, Chateau De Fieuzal oder Chateau Laville Haut Brion.
Wie die meisten seiner Konkurrenten besteht auch der Chateau Carbonnieux zu einem Großteil aus der Rebsorte Sauvignon Blanc, während Sémillon nur rund ein Drittel des Weines ausmacht und Muscadelle gerade mal mit einem Prozent zu Buche schlägt. Länger trinkbereit bleibt der weiße Graves-Herold jedoch durch den Umstand, dass er kurzzeitig in neuen Eichen-Barriques gelagert wird, bevor er noch jung auf Flasche gezogen wird.
Was das geschmackliche Gewicht der Weißweine von Chateau Carbonnieux betrifft, lässt sich daher folgendes konstatieren: eine deutliche Frische verschleiert zunächst den Körper, während eine gesunde Säure der Nachhaltigkeit den Weg bahnt. Zu einem ganz ähnlichen Resultat muss auch der Sultan von Konstantinopel gelangt sein: nachdem ihm im 18. Jahrhundert ein weißer Chateau Carbonnieux als Mineralwasser feilgeboten worden war, entschloss er sich kurzerhand, fortan nur noch Mineralwasser aus dem fernen Okzident zu trinken. Warum auch Wein trinken, wo es doch so gutes Wasser gibt?
Fazit: manches Gehänge schmückt, wieder anderes zieht einen bloß runter.
|
Der Autor lebt mit Frau und Kind in einem verschlafenen Städtchen im Süden Niedersachsens. Wenn er nicht gerade zivil Dienst leistet, arbeitet er unter anderem als freiberuflicher Autor für die Jazz-Redaktion von NDR Info.
|
 |
Vorschau:
Nächste Woche schreibt Philipp Furtwängler über den Wein "Ngatarawa Chardonnay".
Seien Sie gespannt! |
|
|
|