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Geiz und guter Geschmack von Philipp Furtwängler, Teil 2
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Die Folge war ein Schock – vergleichbar mit der Reaktion eines Allergikers auf die Zufuhr eines Allergens. Versteckt auf einer Empore entdeckte ich eine Flasche 61-er Lafite. Ich traute meinen Augen kaum. Mit jedem Schritt las ich einen weiteren berühmten Namen: Mouton, Haut-Brion und Margaux um nur einige zu nennen. Allesamt aus den besten Jahrgängen und ordentlich in Kisten gestapelt.
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Der Wein, vor dem ich schließlich stehen blieb, entsprach zwar nicht meinem damaligen Budget, erschien mir im direkten Vergleich mit den Preisen der anderen Hochgewächse aber noch relativ erschwinglich: ein 87-er Vieux Chateau Certan.
In dem Buch, das ich seinerzeit stets mit mir führte, las ich folgende Zeilen: „In der Qualität oft fast mit Pétrus gleichgesetzt, in der Art aber ganz anders, eher mit Haut-Brion-Stil.“ Weil mir der Name Pétrus nichts sagte, blätterte ich ein paar Seiten zurück. Dort las ich weiter: „Das (inoffiziell) unangefochtene Spitzengewächs von Pomerol. (...) Weine von unvergleichbarer Fülle und Konzentration. (...) Leider nur für Millionäre erschwinglich.“ Ich atmete kurz durch und zahlte bereitwillig 22,50 DM für meine erste Flasche.
Den Wein trank ich noch am gleichen Abend mit einem guten Freund. Die 87-er besaßen nach offizieller Lesart ja auch kein ausgeprägtes Lagerungspotential. Der Regen in den ersten Oktoberwochen hatte genauso zu dieser Beurteilung beigetragen wie die mittelgroße Ernte, die sich neben den gigantischen Erträgen anderer Jahrgänge fast schon winzig ausnahm. Ein Wein, der angeblich nur in seinem ersten Jahrzehnt einen schönen Genuss bereitet.
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